Foto: B. Schneider

Das Meade Ultra Weitwinkel Okular wird in den Größen 8,8 und 14 mm als 2"/1,25" Kombi angefertigt. Dadurch kann man es zwar in beide Aufnahemen einsetzen, aber manche 2" Zenitspiegel haben zu kurze Aufnahmen und dadurch berührt die 1,25" Hülse den Spiegel.

 

Foto: B. Schneider

Das UWA im vergleich zum standard 26 mm/1,25" Okular (links).

Meade 8,8 mm Ultra Weitwinkel Okular
Testumgebung:

Meade SC 8" LX200 GPS
Intes 6" Maksutov ohne Nachführung
Gutes Seeing
15-20° Celsius
Ort: Nidderau

D er Teleskophersteller Meade hat verschiedene Okularsätze in seinem Programm und versucht so jeden Hobbyastronom individuell zu bedienen. Ich hatte bis jetzt nur Okulare aus der Einsteigerserie in den Händen und konnte mich nur für das 30mm und das 26mm Super Plössel Okular der Serie 4000 begeistern. Die Super Plössel Okulare haben ein Gesichtsfeld von 52° was bei geringen Vergrößerungen durchaus ausreichend ist. (Gesichtsfeld = Größe des abgebildeten Himmelsausschnitts)
Will man allerdings die Leistungsfähigkeit eines Teleskops ausreizen, dann wird das Beobachten mit kleinen Gesichtsfeldern schnell unbequem. Die geringste Ungenauigkeit beim positionieren genügt und das gesuchte Objekt erscheint nicht mehr im Okular. Besonders macht sich das bei Teleskopen ohne Nachführung bemerkbar, da vergeht einem leicht der Spaß am beobachten, weil man nur am Drehen ist und das Teleskop nie zur Ruhe kommt. Ein weiteres Problem von kleinen Gesichtsfeldern ist das beobachten von Objekten mit großer Ausdehnung. Zum Beispiel der Orionnebel, die Plejaden, Jupiter und seine Monde oder die Andromeda Galaxie. Alle diese Objekte kann man gut vergrößern, nur sieht man dann unter Umständen nicht mehr das ganze Gebilde, sondern nur noch einen Ausschnitt und der Gesamteindruck ist weg.
Diesen Grund nahm ich zum Anlass und testete ein 8 linsiges Ultra Wide Angele Okular mit 8,8 mm Öffnung. Was bei meinem Teleskop mit 2000 mm Brennweite eine 227-fache Vergrößerung ergibt. Damit sollte man auch einen Monat nach der Jahrtausendopposition, dem Mars einige Details entlocken können. Das Okular hat ein Gesichtsfeld von 84° und bietet somit, mehr als den 2,5-fachen Himmelsausschnitt eines Okulars mit 52° Gesichtsfeld, bei gleicher Verstärkung.
Ich baute mein 8" LX200 auf und wartete eine gute Stunde bis der Hauptspiegel genügend ausgekühlt war. Um dem Mars noch etwas mehr Zeit zu geben, an Höhe zu gewinnen und so hinter kältere Luftschichten zu gelangen, machten wir einen kleinen Rundgang durch das Universum. Als erstes nahmen wir uns die Andromeda Galaxie vor. Das war schon nicht schlecht, so groß hatte ich unsere Nachbargalaxie jedenfalls noch nicht in Okular, ohne das was fehlte. Dann musste es der Ringnebel in der Leier sein, auch hier konnte ich mich über eine deutlich größere Abbildung ohne wesentliche Kontrast und Helligkeitsverluste gegenüber dem 26 mm Super Plössel freuen.
Aber jetzt kam der Hammer - M13 der Kugelsternhaufen im Herkules überwältigte mich so, das ich keine Ruhe gab, bis meine Vereinskollegen ihn auch gesehen hatten. Zum ersten mal hatte ich das Gefühl ein dreidimensionales Objekt im Okular zu haben. Der Sternhaufen füllte bei dieser Vergrößerung fast das gesamte Gesichtsfeld des Okulars und man kam sich fast so vor, als würde man im Kino zu weit vorne sitzen. Die einzelnen Sterne wurden so gut aufgelöst, das man deutlich erkennen konnte, dass manche im Vordergrund andere im Hintergrund und der Rest im Zentrum standen. Es waren deutliche Farbverläufe von weis nach gelb bis orange zu erkennen. Einfach überwältigend. Danach versuchte ich mein Glück auch an ein paar schwächeren Nebeln, was aber leider abgestraft wurde, kein Wunder bei 227-facher Vergrößerung geht halt doch einiges an Licht verloren und auch dieses Okular kann nicht zaubern. Dennoch jetzt wollte ich noch den Mars sehen und ich wurde nicht enttäuscht. Ich konnte heute bestimmt nicht weniger Details erkennen, als mit meinen anderen Okularen am Tag der größten Erdannäherung. Nicht auszudenken, wenn ich das Okular am 28.08.03 dabei gehabt hätte. Schade, aber so hatte ich wenigstens die Möglichkeit all die Farbunterschiede auf der Marsoberfläche noch mal zu sehen.
Dann kam der Test am Intes 6" Maksutov ohne Nachführung. Auch hier überwältigende Bilder und trotz fehlender Nachführung war ein angenehmes Beobachten möglich. Durch das großzügige Gesichtsfeld konnte man die Objekte minutenlang beobachten, ohne die Montierung zu berühren. So hatte das Teleskop genügend Zeit zum Ausschwingen und man kommt auch ohne Nachführung in den Genuss von klaren Bildern bei hoher Vergrößerung.
Laut Katalog gleichen die Ultra Ultraweitwinkel Okulare sogar das Koma bei Newtonteleskopen mit hohem Öffnungsverhältnissen aus und verbessern so die Abbildungsqualität dieser Geräte. Das wird besonders die Dobsonanhänger freuen, da einfache Okulare oft Probleme mit Öffnungsverhältnissen von unter 1: 6 haben.
Ansonsten ist das Okular extrem sauber verarbeitet, was mir ein Vereinskollege bestätigte, der im Feinblechbau tätig ist. Es besitzt eine verlängerte 1,25" Zoll Hülse und einen 2" Außendurchmesser. So passt es zwar in jede gängige Okularaufnahme, beim einsetzten in manche 2" Zenitspiegel stört allerdings die lange 1,25" Zoll Hülse. Das ist aber nicht weiter tragisch, da es ja mit dem üblichen Reduzierstück wieder passt. Positiv an der 1,25" Zoll Hülse ist auf jeden Fall, dass es an nahezu jedes Teleskop passt und das die günstigen 1,25" Filter verwendet werden können.
Das Okular wurde uns freundlicherweise vom Namyslo Astronomie-Zentrum in Aschaffenburg zur Verfügung gestellt, wo man es auch erweben kann.
B.Schneider (Astro AG)
Links:
www.meade.de
www.astronomie-zentrum.de

 
   
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